Die Flüssigsalz-Technologie unterscheidet sich radikal von der klassischen Uran-Technologie. Herkömmliche Atomkraftwerke verbrennen Brennstäbe mit angereichertem Uran, um aus der dabei entstehenden Wärme Turbinen anzutreiben, welche Strom produzieren. Der Brennstoff muss dabei stets gekühlt werden. Fällt der Kühlkreislauf aus, drohen die hoch radioaktiven Brennstäbe zu schmelzen. Dies war 1986 in Tschernobyl der Fall und 2011 in Fukushima. Die Umgebung ist nach so einem größten anzunehmenden Unfall (GAU) für Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende verseucht und unbewohnbar.
Beim Flüssigsalz-Reaktor, im Englischen molten salt reactor (MSR) genannt, kann dies nicht passieren. Bei dieser Methode wird der Brennstoff, überwiegend Thorium, in einem flüssigen Salz gelöst, welches im Reaktor zirkuliert. Sollte die Reaktorwand brechen, erstarrt das Salz beim Austritt. Weiterer Vorteil: Der MSR kann außer Thorium auch Atommüll für die Energiegewinnung verbrennen und hinterlässt wenig strahlenden Abfall.
China will in zehn Jahren den ersten MSR ans Netz schalten. Der Thorium-Vorrat des Landes soll für die nächsten 20.000 Jahre reichen. Damit könnte sich China unabhängig von Importen fossiler Brennstoffe machen. Doch nicht nur China, auch die USA forschen an dem MSR. Das Unternehmen Transatomic Power hofft mittels Sponsoren einen ersten Reaktor bauen zu können. Das elfköpfige Team hat das Unternehmen 2011 nach der Fukushima-Katastrophe gegründet.